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Diskussion des ersten Themenblocks

METHODISCHE UND KONZEPTIONELLE PROBLEME DER GESELLSCHAFT-UMWELT-FORSCHUNG

Diskussion des ersten Themenblocks


Der erste Teil der sehr lebhaften Diskussion drehte sich zunächst um Konkretisierungen und Erläuterungen im Hinblick auf den Stellenwert der Handlungstheorie im Rahmen der Sozialgeographie. Gerhard SCHURZ (Düsseldorf) kritisierte die Handlungstheorie als individualistisch und konstatierte, dass sie nur für kleinere soziale Bereiche, also Mikrostrukturen, funktioniere. Es fehle an einer Verbindung zur Makrostruktur und deshalb sei Vorsicht bei der Behauptung angebracht, dass Handlungen Strukturen erzeugten. Karl-Werner BRAND monierte, dass es der Handlungstheorie an Eigenständigkeit in Bezug auf den „naturalen“ Teil fehle bzw. dieser nur in rein soziologischen Kategorien thematisiert würde und damit ein gewisser Widerspruch zur vorgeblichen Verbindungsleistung der Handlungstheorie bestehe. Nach einer kurzen Skizzierung der wissenschaftshistorischen Rolle der Handlungstheorie im Zusammenhang mit einer Modernisierung der Sozialgeographie und einer stärkeren Fokussierung des Faches auf sozialwissenschaftliche Fragestellungen (Benno WERLEN, Peter WEICHHART, Ute WARDENGA ) verteidigte Benno WERLEN das Konzept gegen den Vorwurf eines ontologischen Individualismus. Nicht Subjekte seien Gegenstand der Untersuchung, sondern Handlungen. Er betonte, dass Handlungen einerseits Strukturen bilden könnten, andererseits aber auch strukturiert seien. Wolfgang ZIERHOFER (Wettingen) erläuterte, dass die Sinneinheit des Tuns in der Handlungstheorie dieselbe Funktion habe wie das Netzwerk in der ANT. Handlung sei deshalb für Geographen interessant, weil sie das alte Thema der Geographie aufnehme, nämlich menschliche Tätigkeiten in einer physischen Welt unter sozialen Rahmenbedingungen zu erfassen. Im Unterschied zur ANT biete die Handlungstheorie jedoch eine in sich kohärente und systematisch aufgebaute Begrifflichkeit, mit der man arbeiten könne, und sie bemühe sich, Fragen nach dem „Warum“ zu beantworten. Dies leiste die ANT nicht, da LATOUR (ebenso wie LUHMANN) keine Methodologie sozialwissenschaftlicher Erklärungen formuliert habe.


 

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