Themenblock 2: Gesellschaftsmodelle der Mensch-Umwelt-Forschung

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Der nach der ausführlichen Diskussion auf den nächsten Tag verschobene zweite Themenblock der Veranstaltung behandelte „Gesellschaftsmodelle in der Mensch-Umwelt-Forschung“.
Im Mittelpunkt des ersten Impulsstatements von Egon BECKER (Frankfurt/Main) stand die Frage, wie sich Modelle als „boundary objects“ anbieten können. Hierzu bezog sich der Referent zunächst auf das im Rahmen der Grundkonzeption des Wissenschaftlichen Beirats zur Global Change-Forschung des BMBF verwendete Modell. Ziel dieses Modells war die Entwicklung einer Förderstrategie, wobei die Beziehungen zwischen Natur- und Anthroposphäre so dargestellt wurden, dass „die Anthroposphäre aus dem Erdsystem herausgeklappt [wird], ohne die verbindenden Fäden zu zerschneiden“. Während der Bereich „Natur“ zeichnerisch/malerisch illustriert wurde, blieb es im Bereich „Gesellschaft“ bei einer schematischen Darstellung. BECKER zeigte, dass sich die einmal gewählte Unterscheidung Anthroposphäre/Natursphäre (Gesellschaft vs. Natur) wegen der getroffenen semantischen Differenz nicht mehr durchbrechen lässt. Zwar werden die metabolischen Verflechtungen der Bereiche durch verbindende Fäden dargestellt, so dass der Eindruck eines Netzes entsteht, das man mit mathematischen Mitteln behandeln kann. Die Begrifflichkeit des Metabolismus verweist aber vielmehr auf eine organizistische Metapher, so dass das Modell als klassisches Beispiel für vorausgegangene intuitive Unterscheidungen gelten kann, mit Hilfe derer institutionenbezogene Zergliederungen vorgenommen und dadurch verstärkt werden. Im Unterschied hierzu plädierte BECKER für ein Verfahren, das zunächst die Unterscheidung an sich reflektiert, dann die Bezeichnung des Unterschiedenen thematisiert und in einem dritten Schritt eine Untergliederung entwickelt, die nicht nach institutionellen Kriterien erfolgen soll, sondern anhand materiell-symbolischer Komplexe. Die Beziehungen würden so zum eigentlichen Gegenstand; zugleich werde das eigene Verfahren reflektiert. Als nächstes diskutierte BECKER das Modell „Structure of the Human Condition as System” aus „The Human Condition“ von Talcott PARSONS, das ein funktionalistisches System der Gesellschaft darstellt. Mit Hilfe des Modells suchte PARSONS die Frage zu beantworten, wie soziale Ordnung und Integration möglich ist. Hierzu benutzte er zwar die Unterscheidung Natur/Gesellschaft, blieb aber (wegen des AGIL-Schemas) strikt theorieorientiert. Eine zentrale Anforderung an Gesellschaftsmodelle im Rahmen der Gesellschaft-Umwelt-Forschung besteht nach BECKER infolgedessen darin, adaptive Funktionen zu berücksichtigen. Er empfahl die Entwicklung von zweistufigen Modellen (klassisch-historische Beispiele: MARX (Basis – Überbau) und HABERMAS (Lebenswelt – System; Handlung – Struktur), räumte jedoch ein, dass derartige Modelle bisher nur ganz allgemein ausgearbeitet seien.
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