Die „Kulturgeographie“ im Spektrum-Verlag – ein Lesebuch zum cultural turn (Plenum)

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Der erste Sitzungsnachmittag der Tagung diente der Vorstellung und Diskussion des von Hans GEBHARDT (Heidelberg), Paul REUBER (Münster) und Günter WOLKERSDORFER (Münster) im Spektrum-Verlag herausgegebenen Readers "Kulturgeographie". (die Herausgeber sind auf Photo 14!!) Hans GEBHARDT und Paul REUBER umrissen einleitend die Intentionen, die mit der Veröffentlichung des Readers verknüpft wurden. Sie betonten, dass der Reader das Ziel habe, die im angloamerikanischen Sprachbereich etablierte Reader-Kultur auch in die deutsche Debatte einzubringen. Aus diesem Grunde sei auf eine argumentativ stringente Ausrichtung verzichtet und in mehreren thematisch geordneten Gruppen von Beiträgen eine pluralistische Perspektive auf das Problemfeld von Raum und Kultur eröffnet worden.
Als gemeinsame, alle Beiträge durchziehende Grundperspektive hoben die Herausgeber eine konstruktivistische Perspektive sowohl auf Raum als auch auf Kultur hervor. Daraus resultiert erstens der Verzicht auf die Möglichkeit, objektive Tatbestände im Raum festzustellen; zweitens wird durchgängig mit einem eher konstruktivistischen und kontextbezogenen Verständnis gearbeitet und somit der Schwerpunkt der Fragestellung auf die soziale Produktion und Symbolisierung von Räumen und deren Rückwirkung auf die Gesellschaft gelegt. Die von den Herausgebern und Autoren diskutierte Form der Kulturgeographie wurde als Ergebnis mehrerer epistemologischer, die Wissenschaftslandschaft restrukturierender Wenden seit den 1980er Jahren gedeutet (cultural turn, linguistic turn, pictorial turn, semiotic turn, spatial turn). Die sich daraus ergebenden Konsequenzen für ein (kultur-)geographisches Forschungsprogramm lassen sich stichpunktartig zusammenfassen: anstelle der die Moderne auszeichnenden Annahme einer universellen Wahrheit wird die Kontextabhängigkeit alltäglicher wie auch wissenschaftlicher Handlungen und Kommunikationen betont. Im Zentrum der Fragestellungen stehen hauptsächlich die unterschiedlichen Bedeutungszuweisungen (also Signifikationen), die im Rahmen von Kommunikationen, Handlungen und Diskursen dem (im Einzelnen noch genauer theoretisch-konzeptionell zu fassenden) Raum gegeben werden.
In der Diskussion des einleitenden Statements wurden folgende Punkte hervorgehoben: Erstens wurde betont, dass das Problem der Körperlichkeit und Materialität in den vorgestellten Ansätzen noch nicht ausreichend berücksichtigt sei und auch die Tendenz bestehe, die materialistische Ebene gegenüber der symbolischen zu vernachlässigen. Zweitens wurde bemängelt, dass die unterschiedlichen turns zu einer Inflation von catch-words geführt hätten, deren begriffliche Schärfung noch nicht zufriedenstellend angegangen sei. Überdies sei die Differenzierung von Human- und Kulturgeographie nicht deutlich genug geworden; ein bloßes Label für inhaltlich u.U. nicht signifikant Differentes genüge nicht
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