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„Sozialökologische Interaktionsmodelle und Systemtheorien – Ansätze einer theoretischen Begründung integrativer Projekte in der Geographie?“, 08.–09.07.2005 (Wien)

PROTOKOLLE, BERICHTE, ERGEBNISSE

Protokoll der Tagung am 8. und 9. Juli 2005 im Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien

 

Bei der Diskussion um „integrative Projekte“ in der Geographie und über Möglichkeiten und Potenziale einer inhaltlichen Kooperation zwischen Physiogeographie und Humangeographie wird meist ein besonders wichtiger Gesichtspunkt übersehen, nämlich die Frage einer theoretischen Begründung der „Integration“. In der klassischen „Einheitsgeographie“ lagen mit dem länderkundlichen Schema, der Integrationsstufenlehre und vor allem mit dem Landschaftskonzept elaborierte Hintergrundtheorien vor, mit denen sich integrative Projekte geradezu zwingend begründen ließen. Das länderkundliche Schema postulierte (deterministisch oder possibilistisch gedeutete) Verursachungszusammenhänge zwischen den Geofaktoren, deren Auswirkungen zur Ausbildung der organismischen Raumindividuen der Länder führten. Integrationsstufenlehre und Landschaftskonzept stellten nomologische Behauptungen über Emergenzphänomene und Systemzusammenhänge zwischen den physischen und den anthropogenen Geofaktoren auf, die in den Raumorganismen der Landschaften vermeintlich konkret fassbar waren.

Mit dem Obsoletwerden dieser Hintergrundtheorien musste man sich von der Möglichkeit einer Einheitsgeographie endgültig verabschieden. Weil derartige theoretische Begründungen heute fehlen, ist das in den letzten Jahren immer wieder eingeforderte „Reintegrationsmodell“, bei dem durch die erneute „Verschmelzung“ von Physiogeographie und Humangeographie eine „geographische Gesellschaft-Umwelt-Forschung“ entstehen soll, mit Notwendigkeit zum Scheitern verurteilt.

Ausgehend von der These, dass integrative Projekte im Rahmen einer „geographischen Gesellschaft-Umwelt-Forschung“ nur dann realisiert werden können, wenn es gelingt, neue Hintergrundtheorien der Gesellschaft-Umwelt-Interaktion zu finden oder zu entwickeln, war es Ziel der von PETER WEICHHART (IGR Wien) und UTE WARDENGA (IfL Leipzig) organisierten Tagung, mit den sozialökologischen Interaktionsmodellen und verschiedenen Spielarten der Systemtheorie zwei mögliche „Kandidaten“ für derartige Hintergrundtheorien vorzustellen und ihre Potenziale für die Begründung „integrativer Projekte“ auszuleuchten.

 


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