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Partizipationsmöglichkeiten peripherer Räume an ökonomischen Entwicklungsprozessen am Beispiel des rumänischen Westgebirges

PERIPHERE REGIONEN


Nach dem Ankauf durch das Bergbauunternehmen zerstörtes Wohnhaus im Corna-Tal (Mai 2004)

In einer globalisierten Welt stehen periphere Räume vor besonderen Problemlagen. Der Wettbewerb der Regionen führt zu Verlierern, die man als neue Peripherie ansprechen kann. Sie definiert sich nicht über Lagebeziehungen, sondern über eine fehlende oder einseitige bzw. nicht nachhaltige Einbindung in den globalen Markt. Bereits benachteiligte, traditionell oder altindustriell geprägte Regionen haben die geringsten Chancen, ihre Situation zu verbessern. Im Vordergrund der Anstrengungen aller politischen Akteursebenen steht daher die Schaffung alternativer Beschäftigungsmöglichkeiten.

Im Fallbeispiel des rumänischen Westgebirges, einer bislang von Land- und Forstwirtschaft sowie dem Bergbau geprägten Kulturlandschaft, befinden sich die lange miteinander in Verbindung stehenden Erwerbsmöglichkeiten plötzlich im Konflikt zueinander. Das geplante Investment eines kanadischen Unternehmens in den Goldbergbau führt das Westgebirge gegenwärtig in eine Zerreißprobe, in der die Zukunftsfähigkeit der Region auf dem Spiel steht.

Am Beispiel dieser geplanten Großinvestition und den damit verbundenen Implikationen der beteiligten Akteure auf realer und diskursiver Ebene kann eine vielschichtige Analyse zur Situation peripher Räume im europäischen Integrations- und Globalisierungsprozess gegeben werden. Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen mögliche Interessenkonflikte und ihre Aushandlungsstrategien um unterschiedliche Nutzungsprofile aufgezeigt und Ansätze für die Etablierung einer nachhaltigen Regionalentwicklung aufgezeigt werden.

Ergebnisse:
Die Diskussion von Alternativen zum umstrittenen Goldbergbauprojekt lässt sich wie folgt zusammenfassen:

- Szenario 1: Ausbau des Agrotourismus. Im Rahmen von PHARE und anderen EU-Programmen flossen bereits Mittel in die Förderung des Tourismus in dieser Region. Eine weitere Förderung durch Strukturfondmittel nach dem Beitritt Rumäniens in die EU würde daher die bereits erfolgte Förderung fortsetzen und die bisher eingesetzten Mittel nicht entwerten. Allerdings ist der ländliche Tourismus, wie er bislang im Westgebirge anzutreffen ist, keine ausreichende Einkommensalternative für die Mehrzahl der Bewohner. Die globale Konkurrenzsituation im Tourismusbereich und der bislang geringe Bekanntheitsgrad wirken entwicklungshemmend.

- Szenario 2: Aufbau eines archäologischen Parks. Als Alternative zum Goldbergbau wird von Historikern und Archäologen die Einrichtung eines archäologischen Parks zur Darstellung der 2000-jährigen Geschichte des Goldbergbaus in der Region favorisiert. Insbesondere die Funde aus der Römerzeit stellen dabei ein Alleinstellungsmerkmal der Region dar, das sich gut vermarkten ließe.

Die genannten Alternativszenarien der regionalen Entwicklung bergen ebenfalls Risiken und bieten keinesfalls eine Garantie für ausreichende Beschäftigung. Sie entsprechen aber in ihrer Zielsetzung sehr viel stärker den bisherigen Förderkulissen der EU als das geplante Goldbergbauprojekt.

Publikationen:
Waack, Christoph (2005): Tara Motilor – A regional term between economical and ecological interests. Some explorations in the Romanian periphery. In: Romanian Review of Regional Studies, Bd. 1, H. 1, S. 19-26.

Waack, Christoph (2004): Probleme der Regionalentwicklung in peripheren Bergregionen am Beispiel des rumänischen Westgebirges. In: Bröckling, Frank / Grabski-Kieron, Ulrike / Krajewski, Christian (Hrsg.): Stand und Perspektiven der deutschsprachigen Geographie des ländlichen Raumes. Münster (AAG Arbeitsberichte; 35), S. 135-142.

Waack, Christoph (2003): Tourism and mining in the Apuseni Mountains - contradictory solutions for regional development in a global context. In: Ilies, Alexandru / Wendt, Jan (Hrsg.): Europe between millenniums. Oradea, S. 245-255.

Waack, Christoph (2003): Chancen und Risiken des Goldbergbaus in den Muntii Apuseni. In: Sorocovski, Victor (Hrsg.): Riscuri si Catastrofe (Risiken und Katastrophen). Bd. 2, Cluj-Napoca, S. 224-235.

Waack, Christoph (2003): Tourismus oder Bergbau – Welche ökonomischen Perspektiven bestehen für das rumänische Westgebirge als Teil der europäischen Peripherie? In: Benedek, Jozsef / Schulz, Erhard (Hrsg.): Südosteuropa – Geographische Entwicklungen im Karpatenraum. Würzburg (Würzburger Geographische Manuskripte; 63), S. 77-88.

Bearbeitung:
Christoph Waack

Kooperation:
Prof. Dr. Jozsef Benedek , Egon Nagy (Universität Babes-Bolyai, Cluj-Napoca/Rumänien)

Laufzeit:
Januar 2001 bis Juni 2006

Projektförderung:
IfL

Weitere Informationen:
 Christoph Waack
Tel. +49 (0)341 255-6540


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