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Segregation und Gentrification in der schrumpfenden Stadt – die Bedeutung raumbezogener Stereotype und Symbole

STADT- UND METROPOLREGIONEN

In der Stadtforschung zeigt sich derzeit eine deutliche Hinwendung zu symbolischen und kulturellen Aspekten sowie eine Betonung der örtlichen Besonderheiten, um sozialräumliche Strukturen und Prozesse zur erklären. In diesem Zusammenhang wird im Rahmen des Projekts aufgezeigt, inwieweit raumbezogene Vorstellungsbilder und Symbolzuweisungen als Bezugssysteme sozialer Orientierung, Abgrenzung oder Identifikation dienen und auf diese Weise sozialräumliche Differenzierung im Stadtraum steuern. Um die verschiedenen Erklärungsansätze konzeptionell zu verbinden und dem Aspekt der symbolischen Inwertsetzung von Räumen als diskursivem Prozess Rechnung zu tragen, wurde Bezug genommen auf Lefebvres Konzept der gesellschaftlichen Produktion des Raumes.

Ziel war es, die Ergebnisse des ersten Projektabschnitts (Teil A) zum sozialen, funktionalen und baulichen Wandel in den Untersuchungsgebieten und zur Wohnortwahl aus Sicht der Nachfrager mit der Rekonstruktion der Inhalte öffentlicher Diskurse über städtische Teilräume zu verknüpfen. Durch die Kombination unterschiedlicher Erklärungszugänge sollte ein möglichst vollständiges und differenziertes Bild sozialräumlicher Prozesse in schrumpfenden Städten ermittelt werden. Folgende Themenkomplexe wurden dabei zu einander in Beziehung gesetzt:
(1) Die Erfassung und Darstellung des sozialen, baulichen und funktionalen Wandels innerstädtischer Altbauquartiere auf der Grundlage eines Datenvergleichs.
(2) Die Erfassung von individuellen Vorstellungsbildern sowie Aspekten der Symbolik konkreter städtischer Teilräumen auf der Grundlage von Tiefeninterviews und mit Hilfe von Bildmaterial aus der Werbung.
(3) Die Analyse von gesellschaftlichen Diskursen des Journalismus über städtische Teilräume in den Zeitungsmedien sowie der Immobilienbranche über Stadträume zum Zweck der Vermarktung.



Ergebnisse:
Die drei untersuchten Innenstadtquartiere sind Projektionsflächen für Schematisierungen der Sozialwelt, an die unterschiedliche, sich überlagernde Einstellungen, Gefühle und Lebensstile gekoppelt sind. Die Tatsache, dass das einzelne Untersuchungsgebiet in deutlicher Opposition zu Räumen der Repräsentation steht, die mit anderen Werte- und Kulturmustern verknüpft werden, verweist auf bereits verfestigte Vorstellungsinhalte bis hin zu stereotypen Bildern. Dabei handelt sich bei den Untersuchungsgebieten offensichtlich um Orte, an denen kulturelle Aushandlungsprozesse relativ intensiv stattfinden. Als wesentliches und geeignetes Hilfsmittel um sich den Raumbildern in den Köpfen anzunähern, hat sich das verwendete Bildmaterial aus der Werbung erwiesen. Es wurde deutlich, dass Orte, ähnlich wie beworbene Produkte, Stellvertreterfunktionen für andere, nichtmaterielle, identitätsstiftende soziale Kategorien und Vorstellungen übernehmen können. Das kulturelle Labeling von Orten weist dabei über informelle Alltagsstrukturen hinaus, indem es auch politische und ökonomische Entscheidungen rahmen kann. Da davon ausgegangen werden kann, dass die Vorstellungsbilder über Stadträume Entwicklungen, die diesen sozialen Zuschreibungen entsprechen, erheblich befördert haben, sind sie ein wesentlicher Faktor sozialräumlicher Differenzierung bis hin zur Segregation. Kulturelle Bewertungen von Orten sind aber durchaus im positiven wie negativen Sinn manipulierbar.

Im Erkennen und Steuern dieser vom Zeitgeist abhängigen und kulturell begrenzten Deutungen von Räumen, könnte der Wert liegen, Erkenntnisse über die Bilder in den Köpfen im Sinn gesellschaftlicher und urbaner Problemlösungen besser zu nutzen.

Publikationen:
Wiest, Karin (2006): Raumbezogene Vorstellungsbilder und Verräumlichung gesellschaftlicher Werte – Beispiele aus dem Leipziger Cityrand. (unveröffentlichtes Manuskript)

Wiest, Karin (2006): Soziale Grenzen und räumliche Stereotype – Repräsentationen von Wohngebieten ostdeutscher Städte in Zeitungsmedien und im Alltag. In: Europa Regional (angenommen zum Druck).

Bearbeitung:
Karin Wiest, André Hill

Kooperation:
Geographisches Institut der TU Dresden.

Laufzeit:
Dezember 2004 bis April 2005

Projektförderung:
DFG

Weitere Informationen:
 Karin Wiest
Tel.: +49 (0)89 77 52 05


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