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Der Bedeutungswandel der Städte innerhalb des russischen Städtesystems während der Transformationsphase

STADT- UND METROPOLREGIONEN

Mit der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Transformation Russlands seit Beginn der 1990er Jahre hat eine qualitativ neue Etappe der Städteentwicklung eingesetzt. Modifizierte Rahmenbedingungen und Einflussfaktoren haben eine Umwertung vieler Städte als Wirtschafts- und Lebensstandorte bewirkt. Der qualitative Bedeutungswandel der Städte steht in engem Zusammenhang mit Faktoren, die die ökonomische Wettbewerbsfähigkeit der Städte beeinflussen. In welchem Maß diese Faktoren wirksam werden, hängt vor allem vom Reifegrad der jeweiligen regionalen und lokalen Regulationsmechanismen und -beziehungen ab. Das heißt, die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen spielen in Russland eine immer entscheidendere Rolle bei der Inwertsetzung der Städte als Wirtschaftsstandorte.

Ziel des Projekts war es, die sozialökonomische Auf- und Abwertung bestimmter Städtetypen, neue Wachstumspole bzw. schrumpfende Stadtregionen zu ermitteln sowie Ursachen und gesellschaftliche Zusammenhänge aufzudecken.




Kirche in Jaroslavl - früher Lager, jetzt wieder Kirche

Ergebnisse:
Im Zuge der politischen und wirtschaftlichen Transformationsprozesse vollzog sich in der ersten Hälfte der 1990er Jahre eine Verstärkung der regionalen Disparitäten und eine wirtschafts- und sozialräumliche Polarisierung der russischen Städte und Stadtregionen. Einerseits traten Städte und Stadtregionen mit wirtschaftlichem Bedeutungsrückgang auf. Betroffen waren davon insbesondere Städte mit ungünstiger geographischer Lage und schlechter Verkehrserschließung, Städte mit monostrukturiertem Wirtschaftsprofil, das von einer strukturschwachen Branche dominiert wird, und Städte, deren sozioökonomische Lage nach wie vor von einem staatlichen Unternehmen der Rüstungsbranche abhängig ist. Andererseits zeigen sich Städte und Stadtregionen, deren Potenzial unter den veränderten politischen und wirtschaftlichen Bedingungen die Erhaltung ihrer wirtschaftlichen Bedeutung bzw. die Herausbildung zu neuen Wachstumszentren ermöglicht. Als potenzielle regional wirksame Zentren der Wirtschaft erweisen sich

  • Städte mit einem vielseitigen Industrieprofil und einer gut ausgestatteten (Markt)-Infrastruktur,
  • Städte, die über eine geopolitische Lagegunst und ausgebaute Verkehrsinfrastruktur verfügen (Verkehrsknoten, Hafenstädte),
  • Städte mit Dominanz eines oder mehrerer konjunkturstarker Wirtschaftsunternehmen sowie
  • Städte mit investitionsfreundlichem Kommunalmanagement und intelligenten Marketingstrategien.

Publikationen:
Brade, Isolde (2004): Le changement d’importance des villes dans le système urbain russe pendant la transition post-socialiste. In: Richard, Yan / Sanguin, A.-L.  (Hrsg.): L’europe de l’est qinze ans après la chute du mur. Paris: Géographie et Cultures.

Brade, Isolde / Schulze, Monika (2003): Die russischen Städte im Umbruch. Gewinner und Verlierer des Transformationsprozesses. In: Geographische Rundschau 55 (12), S. 34-40.

Brade, I. (Hrsg.) (2002): Die Städte Russlands im Wandel. Raumstrukturelle Veränderungen am Ende des 20. Jahrhunderts. Themenband. Leipzig: Leibniz-Institut für Länderkunde (Beiträge zur Regionalen Geographie; 57).

Brade, I. (2002): Die Städte Russlands im ökonomischen Wettbewerb. In: Praxis Geographie (1), S. 25-29.

Bearbeitung:
Isolde Brade, Dmitri Piterski, Monika Schulze

Kooperation:
Prof. Dr. Evgenij Percik (Geographische Fakultät der Lomonossow-Universität Moskau), Dr. Andrej Trejwish / Dr. Tatjana Nefedova (beide Geographisches Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau)

Laufzeit:
Juni 1997 bis Dezember 2000 (von der DFG finanziert), laufendes Städte-Monitoring

Projektförderung:
DFG

Weitere Informationen:
 Isolde Brade
Tel.: +49 (0)341 255-6512


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