In der Bundesrepublik sind die Phänomene Segregation und Gentrification bisher schwerpunktmäßig in den 1980er Jahren für westliche prosperierende Stadtregionen dargestellt worden. Das vorliegende Projekt erweitert den Forschungsstand durch eine systematische Darstellung sozialräumlicher Differenzierung in innerstädtischen Altbaugebieten der neuen Länder. In diesem Zusammenhang wurde u. a. geprüft, inwieweit die bundesdeutsche Diskussion um „schrumpfende Städte“ Anknüpfungspunkte an die Debatte der angloamerikanischen Forschung um eine Degentrifizierung oder Post-Gentrification bietet und inwieweit daraus Impulse für die ostdeutsche Stadtforschung ausgehen können. 
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Der Frage nach Segregationsmustern unter Schrumpfungsbedingungen wird am Beispiel der Stadt Leipzig nachgegangen. Der empirische Teil des Projekts konzentriert sich auf drei unterschiedlich strukturierte, innenstadtnahe, gründerzeitliche Wohnquartiere, die aus stadtentwicklungspolitischen Gründen (zentrale Bedeutung für das Stadtbild, überdurchschnittliche Einwohner- und Funktionsverlusten bis Mitte der 1990er Jahre) von besonderem Interesse sind. Das Projekt erfasst innerstädtische Differenzierungen im Längsschnitt und dokumentiert damit den Prozess der Auf- und Abwertung städtischer Teilbereiche. Dabei wird auf einer Untersuchung aus den Jahren 1994/95 aufgebaut, in der die sozialen, funktionalen und baulichen Strukturen dreier Leipziger Altbauquartiere einer detaillierten Analyse unterzogen wurden. Durch die Gegenüberstellung der Erhebungen Mitte der 1990er mit neuen Daten aus dem Jahr 2002 lassen sich wichtige Entwicklungsphasen der Wohngebiete nach der deutschen Vereinigung erkennen.
Ergebnisse: Trotz gesamtstädtischer Schrumpfungsprobleme in den ostdeutschen Kommunen sind kleinräumig ausgeprägte Formen von baulicher, funktionaler und sozialer Aufwertung beobachtbar. Die auf den ersten Blick divergierenden Konzepte von Schrumpfung und Gentrification schließen sich demnach nicht aus, sondern ergänzen sich vielmehr auf unterschiedlichen Maßstabsebenen. Unter der Bewohnerschaft, die sich ab Ende der 1990er Jahre neu in den untersuchten citynahen Altbaugebieten etablieren konnte, dominieren urbane Wohnwünsche mit einer deutlichen Präferenz für den innerstädtischen Altbau. Den Verlauf der Aufwertung in einigen Leipziger Cityrandgebieten, der sich im deutlichen Zuzug von jungen, gut qualifizierten Personen zeigt, kann man vielmehr als „sanfte“ Gentrifizierung bezeichnen: So fanden ab 1997 in den untersuchten Gebieten u. a. weder eine nennenswerte Verdrängung noch die für westdeutsche Gentrificationphänomene typische Umwandlung des Mietwohnungsbestandes in Eigentumswohnungen statt. Neben dem Zuzug von Haushalten mit höheren Einkommen ermöglichte der Mietermarkt gleichzeitig auch den Zuzug von Bevölkerungsgruppen mit geringeren ökonomischen Handlungsspielräumen und wirkte somit einer allein durch einkommensstarke Gruppen getragenen Neuinwertsetzung entgegen. Gleichzeitig wurden im Wandel der Sozialstrukturen auch polarisierende Tendenzen deutlich.
Publikationen: Hill, André / Wiest, Karin (2004): Gentrification in ostdeutschen Cityrandgebieten? Theoretische Überlegungen zum empirischen Forschungsstand. In: Berichte zur deutschen Landeskunde (1), S. 25-39.
Wiest, Karin (2004): Inseln des Aufstiegs in schrumpfenden ostdeutschen Stadtlandschaften. In: Forum Wohneigentum 5, S. 262-265.
Wiest, Karin (2005): Reurbanisierung als Mainstream der ostdeutschen Stadtentwicklung? Wohnungsmarkt und Planungspolitik in sächsischen Großstädten. In: RaumPlanung 123, S. 237-242.
Wiest, Karin / Zischner, Romy (2006): Aufwertung innerstädtischer Altbaugebiete in den neuen Bundesländern – Prozesse und Entwicklungspfade. In: Deutsche Zeitschrift für Kommunalwissenschaften (1), S. 99-121.
Bearbeitung: Karin Wiest, André Hill
Kooperation: Stadt Leipzig, Geographisches Institut der Universität Leipzig, Geographisches Institut der TU Dresden
Laufzeit: Dezember 2001 bis November 2003
Projektförderung: DFG
Weitere Informationen:
Karin Wiest Tel.: +49 (0)89 775205 

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