Die Geschichte der Territorialplanung in der ehemaligen DDR ist bisher nur in Ansätzen untersucht. Fünfzehn Jahre nach der Wiedervereinigung wächst die Gefahr, dass dieses Kapitel der neueren deutschen Planungs- und Zeitgeschichte mangels Material nicht mehr angemessen rekonstruiert werden kann. Zudem ist das Bewusstsein einer deutsch-deutschen Beziehungsgeschichte und ihrer Bedeutung für die heutige Raumplanung nur mangelhaft ausgeprägt. Deshalb haben die vier raumwissenschaftlichen Institute der Leibniz-Gemeinschaft eine gemeinsame Initiative gestartet, um die vorhandene Basis der Überlieferung der Territorialplanung in der DDR zu sichern und zu dokumentieren. In Anknüpfung an das vorangegangene Projekt „Quellen der Raumforschung in der ehemaligen DDR“ stand nun die eher informelle Ebene der Territorialplanung im Vordergrund. Hierzu wurden 2003 und 2004 mehr als 40 Experteninterviews mit ehemaligen Mitarbeitern der Büros für Territorialplanung, der Bezirksplankommissionen und der Forschungsleistelle für Territorialplanung durchgeführt, transkribiert und synoptisch erschlossen.
Ergebnisse: Die ab 1965 in allen DDR-Bezirken innerhalb der Bezirksplankommissionen eingerichteten Büros für Territorialplanung waren die planerischen und entscheidungsvorbereitenden Zentren auf der regionalen Ebene. Ein Merkmal der Arbeit in allen Büros war die wissenschaftlich fundierte interdisziplinäre Zusammenarbeit, mit der die Planvorgaben der übergeordneten Einrichtungen unter Führung der SED umgesetzt wurden. Dennoch gab es Unterschiede in der Struktur und in der Arbeit der Büros, ausgerichtet an der spezifischen Wirtschaftsstruktur der Bezirke und abhängig von den jeweiligen Funktionsträgern. Die jetzt dokumentierten Experteninterviews sind ein einmaliger, weit über die reine Fachgeschichte hinaus reichender und bedeutsamer Quellenfundus für die Strukturierung des Raumgefüges in der DDR.
Publikationen: Schelhaas, Bruno (2004): Territorialplanung in der DDR. Bericht aus der 4R-Arbeitsgruppe. In: ARL-Nachrichten 3/2004, S. 24-25. Schelhaas, Bruno (unter Mitarbeit von Ingrid Apolinarski, Klauspeter Kirschke, Edith Lotzmann, Isolde Roch und Ute Wardenga) (2005): Regionalplanung Ost. Struktur und Alltagspraxis der Territorialplanung in der DDR. Ein Werkstattbericht. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 80 (2), S. 221-234
Projektleitung: Ute Wardenga, Bruno Schelhaas
Kooperation: Dr. Volker Wille, Edith Lotzmann (ARL Hannover), Ingrid Apolinarski (IRS Erkner), Prof. Dr. Isolde Roch (IÖR Dresden), Klauspeter Kirschke (Schwerin), Edgar Dally (Gera), Dr. Frank J. Fischer (Chemnitz)
Laufzeit: November 2002 bis Dezember 2006
Weitere Informationen:
Bruno Schelhaas Tel.: +49 (0)341 255-6551


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