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Geschichte Regionaler Geographien

THEORIE


M.P. Thorbecke: Der Blick des Länderkundlers (1921, Vorsatzblatt)

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich die Geographie nach und nach von ihren national getönten Forschungsprogrammen gelöst und einen internationalen Forschungszuschnitt erhalten. Gleichzeitig hat sich das Fach weltweit von jenen exzeptionalistischen Strömungen verabschiedet, die seine Etablierung als eine eigenständige, von anderen Fächern unterscheidbare Hochschuldisziplin im 19. Jahrhundert bestimmt haben. Vor dem Hintergrund eines bislang einzigartigen quantitativen Wachstums von Wissenschaft entwickelte sich seit den 1950er Jahren eine Vielfalt von konkurrierenden Paradigmen und theoretischen Perspektiven, die es immer schwerer erscheinen lassen, die Geographie als ein in sich kohärentes Subsystem von Wissenschaft zu begreifen. Gleichzeitig wurden Traditionen fragwürdig und Kontinuierungen brüchig: Moderne Geographie scheint mit ihren überlieferten disziplinären Denkmustern nicht mehr vereinbar zu sein.

Dies betrifft insbesondere die Regionale Geographie. Sie gilt heute weithin als Residuum einer als problematisch betrachteten und historisch überwunden geglaubten Ausrichtung des Faches. Paradoxerweise werden jedoch immer wieder neue Konzepte Regionaler Geographie diskutiert, die sich bei genauerer Analyse als Mutationen einer sich seit dem späten 18. Jahrhundert entwickelnden Grundstruktur von raumbezogener Semantik darstellen. Dieser Grundstruktur einerseits und ihren Wandlungen andererseits in unterschiedlichen zeitlichen und räumlichen Kontexten nachzuspüren, ist Aufgabe des Forschungsschwerpunktes „Disziplingeschichte Regionaler Geographien“.

Bearbeitet werden in diesem Zusammenhang sowohl Archivprojekte, die bislang noch nicht öffentlich zugängliches Material für weitere Forschungen erschließen, als auch auf spezielle Fragestellungen zugeschnittene wissenschaftliche Forschungsprojekte. Diese haben das Ziel, die Geschichte Regionaler Geographien als eines wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurses in einer Welt zu entschlüsseln, die mit immer schneller aufeinander folgenden Schüben zu einem globalen Ganzen zusammenwächst.

Ansprechpartner:
 Ute Wardenga
Tel. +49 (0)341 255-6510


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