Neue Karten des Leibniz-Instituts für Länderkunde verdeutlichen markante Unterschiede im generativen Verhalten zwischen Ost- und Westdeutschland
Auch 20 Jahre nach der deutschen Einheit ist der Anteil der nichtehelichen Geburten in Ostdeutschland deutlich höher als in Westdeutschland. Das zeigen Deutschlandkarten des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) im neuen Beitrag der Online-Zeitschrift Nationalatlas aktuell. Auf der Kreisebene schwankte im Jahr 2007 die so genannte Nichtehelichenquote in den neuen Ländern zwischen 40 und 70 Prozent. In Westdeutschland hatten im gleichen Zeitraum dagegen nur zwischen 15 und 45 Prozent der Kinder Eltern, die nicht miteinander verheiratet waren. Die niedrigste Quote außerehelich zur Welt gekommener Kinder weisen derzeit Württemberg und Teile Bayerns auf.
Eine Zunahme von außerehelich geborenen Kindern ist seit etwa Mitte der 1960er-Jahre in ganz Europa zu beobachten. Der Anstieg der Nichtehelichenquote wird als Zeichen eines grundlegenden Wandels der Familienstrukturen gesehen. „Die enge Kopplung von Heirat und Elternschaft wird sukzessive durch plurale Familienbildungsprozesse ersetzt“, erläutern die Nationalatlas-aktuell-Autoren Sebastian Klüsener und Michaela Kreyenfeld die Entwicklung.
Von entscheidender Bedeutung sei jedoch, dass die Zunahme nichtehelich geborener Kinder nicht mit einem Anstieg allein Erziehender gleichzusetzen sei. Insbesondere in Ostdeutschland lebt die Mehrzahl unverheirateter Mütter in einer festen Beziehung. Ob unverheiratete Elternschaft dennoch als Hinweis auf soziale Problemlagen zu bewerten ist, wird derzeit noch kontrovers diskutiert.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Volker Bode, Tel. +49 (0)341 255-6543.
In der Online-Zeitschrift Nationalatlas aktuell veröffentlicht das Leibniz-Institut für Länderkunde regelmäßig Beiträge zu Ereignissen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Politik und Umwelt. Im Mittelpunkt stehen eigene Karten und Grafiken sowie von Experten geschriebene Begleittexte. Alle Karten und Diagramme können auf Wunsch in Druckqualität zur Verfügung gestellt werden. Die jüngsten Beiträge beschäftigen sich mit dem Thema West-Ost-Wanderung, mit der Kulturorchester-Szene sowie mit Rechtsextremismus und rechter Gewalt in Deutschland.