 |  | |

Klaus Friedrich und Andrea Schultz (Hrsg.) Brain drain oder brain circulation? Konsequenzen und Perspektiven der Ost West Migration Leipzig 2008, (forum ifl; 8) ISBN-13 978-3-86082-061-2
Mit diesem Tagungsband werden ausgewählte Vorträge einer breiteren Fachöffentlichkeit vorgestellt, die im Rahmen des gleichnamigen Workshops im November 2006 in Halle (Saale) vor etwa 70 Teilnehmern gehalten und diskutiert wurden. Gemeinsame Veranstalter waren die Arbeitsgruppe Sozialgeographie an der Martin-Luther-Universität in Halle und das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt. Die wissenschaftliche Tagung wurde - als Bestandteil eines mehrjährigen DFG-Projektes zur Abwanderung aus Ostdeutschland - durch die großzügige Förderung seitens der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG und des vorgenannten Ministeriums ermöglicht.
Die 12 Beiträge befassen sich mit den Konsequenzen und Perspektiven der Ost-West-Migration, die seit etwa einem halben Jahrzehnt in der ostdeutschen Öffentlichkeit auf breites Interesse stoßen. Seit der Wiedervereinigung haben ca. 3 Mio. Menschen die fünf neuen Länder und Berlin nach Westdeutschland verlassen, was per Saldo einem Verlust von etwa 1 Mio. Einwohner entspricht. Gerade in ländlich peripheren Regionen führt dies zur Entleerung ganzer Landstriche. Da in die Abwanderung vor allem junge und qualifizierte Personengruppen eingebunden sind, wird in diesem Zusammenhang oftmals von einem "brain drain" gesprochen. Dieser Begriff wird immer dann verwendet, wenn einem Land oder einer Region durch selektive Abwanderung Wissen und Qualifikationen, so genanntes Humankapital, verloren gehen. Diese Thematik wird auch von politischer Seite als eine der größten Herausforderungen im ostdeutschen Transformationsprozess gesehen. Mit Besorgnis wird dabei vor allem auf die Folgen für die sozialen Netzwerke sowie auf die weitere Verringerung der ohnehin niedrigen Geburtenziffern durch fehlende Personen in der Familiengründungsphase geblickt. Experten äußern in diesem Zusammenhang vor allem die Befürchtung, dass künftig Engpässe an qualifizierten Beschäftigten in einigen Bereichen des ostdeutschen Arbeitsmarktes negative Auswirkungen auf die regionale Konkurrenzfähigkeit haben. Im Wettbewerb um die "besten Köpfe" könnte der Osten Deutschlands damit ins Hintertreffen gelangen.
Inhaltlich lassen sich die hier dokumentierten Beiträge vier Themenkomplexen zuordnen:
- Zirkuläre Migrationsprozesse, Erfahrungen und Zugänge
- Migration und brain drain in akteursbezogener Perspektive
- Demographischer Wandel und Rahmenbedingungen der Regionalentwicklung
- Handlungsstrategien für die neuen Länder
Die vorliegende Veröffentlichung verfolgt primär zwei Zielsetzungen: Zum einen sollten Perspektiven und Bewertungskriterien sowie regionalpolitische Handlungsstrategien aufgezeigt und der Frage nachgegangen werden, welche Konsequenzen im Kontext der demographischen Rahmenbedingungen durch den Verlust an Humanressourcen zu erwarten und welche Szenarien und Entwicklungspfade aus dieser Entwicklung denkbar sind. Zum anderen war bewusst intendiert, der in Ostdeutschland verbreiteten fatalistischen Wahrneh-mung von Westmigration eine differenziertere Sichtweise gegenüberzustellen. Von besonderer Bedeutung scheint dabei die Frage, ob mit der Migration nicht auch positive Effekte für die Herkunftsregion verbunden sein könnten. 

|