Die Geschichte der Geographie ist bislang weitgehend aus einer nationalen Perspektive untersucht worden. Gegenstand der Analysen waren vornehmlich Ideen und Konzepte der je eigenen Geographie. Obwohl seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts ein reger internationaler Austausch bestand, ist die damit einhergehende Transformation von geographischen Ansätzen noch nicht genügend systematisch untersucht worden. Dementsprechend defizitär ist der Forschungsstand. Zwar wurde der Blick auf die internationalen Verhältnisse geöffnet und transnationale Vergleiche stimuliert, insbesondere durch die Arbeit der IGU-Kommission "History of Geographical Thought". Dennoch gelang es bislang nur in Ausnahmefällen, die Grenzen einer national befangenen Geographiehistoriographie zu überwinden.
In mehreren Workshops sollen darum die Grundlagen für eine kontinuierliche Zusammenarbeit von deutschen und französischen Disziplinhistorikern zu entwickeln. Es zielt damit zum einen auf eine personelle und institutionelle Annäherung, zum anderen auf die Reformulierung der bislang weitgehend auf nationaler Ebene betriebenen Geographiegeschichtsforschung zugunsten der Ausarbeitung einer histoire croisée. Sie erscheint gerade im Falle der französischen und deutschen Geographie besonders aufschlussreich, weil trotz eines durchgängigen Diskurses von wechselseitiger Abgrenzung zahlreiche, allerdings oft verschleierte Anleihen bei und Bezugnahmen auf die je andere Nationalgeographie gemacht wurden.
Ergebnisse: Auf den vier Workshops in Leipzig und Paris konnte ein bilaterales Forschungsnetzwerkes etabliert werden, das zukünftig eine tragfähige internationale Basis für eine in europäischer Dimension vergleichend arbeitende geographiehistorische Forschung bilden soll. In intensiven Diskussionen wurde nach einem Kristallisationskern für die Erforschung von transnational übergreifenden Entwicklungssträngen gesucht. Mit der Frage nach Praktiken der Feldforschung in der Geographie und deren Wirkungen auf weite Bereiche wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Handelns von Geographen wurde ein Forschungsgegenstand gefunden, der nach Einschätzung der Gruppe einen hohen Innovationsgrad für die Restrukturierung der internationalen Geographiegeschichtsschreibung im Sinne einer histoire croisée aufweist.
Bearbeitung: Heinz Peter Brogiato, Kathrin Fritsch, Dirk Hänsgen, Norman Henniges, Bruno Schelhaas, Isabel Voigt, Ute Wardenga
Kooperation: Jean-Baptiste Arrault (Université Paris I - Sorbonne & CNRS, Paris), Pascal Clerc (IUFM Lyon & CNRS Paris), Ségolène Débarre (Université Paris I - Sorbonne & CNRS, Paris), Géraldine Djament (Université Strasbourg & CNRS, Paris), Nicolas Ginsburger (Université Paris X - Nanterre & CNRS, Paris), Cyril Gosme (Université Paris I - Sorbonne & CNRS, Paris), Carsten Gräbel (Universität Konstanz), Gaëlle Hallair (Université Paris I - Sorbonne & CNRS, Paris), Philippe Kersting (Universität Mainz), Antoine Laporte (Université Paris I - Sorbonne & CNRS, Paris), Olivier Orain (CNRS, Paris), Marie-Claire Robic (CNRS, Paris), Iris Schröder (HU Berlin), Hans-Dietrich Schultz (HU Berlin), Denis Wolff (CNRS, Paris)
Laufzeit: Januar 2008 bis Dezember 2009
Projektförderung: DAAD, EGIDE
Weitere Informationen:
Ute Wardenga Tel.: +49 (0)341 600 55-110 

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