Anders als in der Transformationsforschung üblich steht in dem Forschungsvorhaben nicht die Produktionsseite des Wirtschaftslebens im Mittelpunkt, sondern es wird die Konsumseite ins Blickfeld genommen, deren Transformation offenbar subtiler verläuft. Der Wandel von der planwirtschaftlichen Versorgungsökonomie zur kapitalistischen Konsumgesellschaft vollzieht sich nur scheinbar „von selbst“. Konsumgüterindustrie und Einzelhandelskonzerne beteiligen sich mittels „Übersetzungsprozessen“ der Marktforschung und Werbewirtschaft sehr aktiv an der Formierung neuer Konsumgütermärkte und Konsumkultur(en) in den postsozialistischen Staaten. Trotz geringer Kaufkraft wird dort angesichts einer (noch) geringen „Markentreue“ viel Geld in die „Bearbeitung“ von Märkten und Konsumenten investiert. Diese Aktivitäten stehen in einem ambivalenten Verhältnis zwischen einer globalen Homogenisierung von Konsumstilen und einer regionalen Differenzierung. Zugleich bewirkt die Funktion von Marken bei käufergesteuerten Warenketten eine Abhängigkeit lokaler Produktionsstrukturen von einer durch transnationale Unternehmen gesteuerten Zeichenökonomie.

Der Übergang „vom Kommunismus zum Konsumismus“ kann als Gewinn individueller Freiheit durch Entstaatlichung interpretiert werden, aber auch als Entstehung neuer „peripherer Kapitalismen“ mit Merkmalen kolonialer Situationen. Mit Blick auf die Konstruktion und Evolution von Märkten ausgewählter Branchen und Produkte im östlichen Europa und im Besonderen in Bulgarien sollen produktiv-konsumtive Beziehungen zwischen „Osten“ und „Westen“ – nicht zuletzt auch im Kontext der EU-Erweiterung und -Integration – nachgezeichnet werden. Es gilt, der Frage nachzugehen, welche „Träume“ bei der Vermarktung von Waren in Bulgarien und aus Bulgarien produziert werden und welche „Räume“ damit verbunden sind. Anhand von Fallstudien zur Formierung von konsumgüternahen Märkten und deren auch als Geo-Codes wirksamen Mark(ierung)en soll untersucht werden, wie dabei räumliche und soziale Differenzen generiert und variiert werden. | |

Publikationen: Ermann, Ulrich (2007): Magische Marken - Eine Fusion von Ökonomie und Kultur im globalen Konsumkapitalismus? In: Berndt, Christian & Robert Pütz (Hg.): Kulturelle Geographien. Zur Auseinandersetzung mit Ort und Raum nach dem Cultural Turn. Bielefeld: Transcript. S. 317-347.
Ermann, Ulrich / Waack, Christoph (2007): EU Newcomers Bulgaria and Romania - Benefits and Burdens of the EU Accession. In: Geographische Rundschau International Edition 3, H. 3, S. 38-45.
Ermann, Ulrich (2006): Geographien moralischen Konsums: Konstruierte Konsumenten zwischen Schnäppchenjagd und fairem Handel. In: Berichte zur deutschen Landeskunde 80, H. 2, S. 197-220.
Ermann, Ulrich / Ilieva, Margarita (2006): Bulgarien. Aktuelle Entwicklungen und Probleme. Leipzig: Leibniz-Institut für Länderkunde (Daten - Fakten - Literatur zur Geographie Europas; 9).
Bearbeitung: Ulrich Ermann
Kooperation: Assoc. Prof. Dr. Kristian Bankov, Southeast European Center for Semiotic Studies, Neue Bulgarische Universität, Sofia Assoc. Prof. Dr. Pet?r Stojanov, Institut für Geographie, St. Kliment-Ochridski-Universität Sofia
Laufzeit: Januar 2007 bis Dezember 2008
Projektförderung: IfL; Drittmittelantrag in Vorbereitung
Weitere Informationen:
Ulrich Ermann Tel.: +49 (0)341 255-6505


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