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Wozu Raum?

BEITRÄGE ZUR REGIONALEN GEOGRAPHIE


MARC REDEPENNING
Wozu Raum?
Systemtheorie, critical geopolitics und raumbezogene Semantiken
Leipzig 2006. 159 S.
(Beiträge zur Regionalen Geographie; 62)
ISBN 3-86082-055-9

Die vorliegende Arbeit startet mit der Setzung einer Annahme: Raum ist vertrauter Bestandteil unserer Kommunikation, es gibt ihn nur in der Kommunikation. Er erfüllt innerhalb der Kommunikation eine Funktion. Für diese Annahme versucht die Arbeit, a posteriori eine theoretische Basis im allgemeinsten Sinn zu finden, wobei der funktionale Aspekt von „Raum in Kommunikation“ gesondert betont wird. Um dies zu erreichen, ist die Arbeit in zwei eng angebundene Teile gegliedert.

In einem allgemein- und sozialtheoretischen Teil wird versucht, über Positionierung der Arbeit in einem Theorieverständnis, das sich auf wissenschaftsinterne Problemlagen bezieht, einen ersten, sehr allgemeinen Orientierungsrahmen zu setzen. Zudem soll durch Erörterung des erkenntnistheoretischen Konstruktivismus eine Grundlage metatheoretischer Art erlangt werden. Als Sozialtheorie wird dabei die Theorie sozialer Systeme, wie sie Niklas LUHMANN vorgeschlagen hat, genutzt, die eine am Begriff der Kommunikation ausgerichtete Ausformulierung von Termini wie operative Geschlossenheit, Autopoiesis und Beobachtung anbietet.

In einem zweiten Teil sollen diese Entscheidungen mittels einer kurzen Gegenstandsanalyse geschärft und erprobt werden, um schließlich in einer Skizze zu raumbezogenen Semantiken als Konsequenz der bisherigen Diskussion zu münden. Mit der Theorie sozialer Systeme als Werkzeug kann ein derzeit in der Geographie prominent diskutierter Ansatz, die critical geopolitics, analysiert werden. Dieser Ansatz richtet sich auf die gleiche Problemstellung wie sie dieser Arbeit zu Grund liegt: Raum als Teil gesellschaftlicher (bzw. spezifischer: politischer) Kommunikation und symbolischer Repräsentation.

Nach dem Aufzeigen mehrerer theoretischer Probleme dieses Ansatzes können in Abgrenzung dazu Gedanken zu einer Konzeption von raumbezogenen Semantiken in formaler wie funktionaler Hinsicht skizziert werden. In formaler Hinsicht wird Raum dabei als eine Beobachtung konzipiert, die sich mittels der Unterscheidung von „hier/dort“ in Bewegung setzt. In funktionaler Hinsicht soll die hier vorgeschlagene Perspektive sich von neueren Beschäftigungen innerhalb der jüngeren soziologischen Systemtheorie mit dem Raum absetzen und allein die Funktion von Raum in der Kommunikation betonen. Die Funktion dieser raumbezogenen Semantiken wird im Mahnruf an Integration, Harmonie und Solidarität unter der sozialstrukturellen Bedingung einer funktional differenzierten Gesellschaft gesehen. Raum ist in der hier vorgeschlagenen Skizze somit ein funktionales Äquivalent, das zur Produktion von Sicherheit und Übersichtlichkeit in der Gesellschaft eingesetzt werden kann.


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