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Der gezähmte Blick

BEITRÄGE ZUR REGIONALEN GEOGRAPHIE


MIGGELBRINK, JUDITH
Der gezähmte Blick. Zum Wandel des Diskurses über "Raum“ und "Region“ in humangeographischen Forschungsansätzen des ausgehenden 20. Jahrhunderts.
Leipzig 2002. 212 S.
(Beiträge zur Regionalen Geographie; 55)
ISBN 3-86082-043-5

Anhand von theoretisch-methodologischen Beiträgen zur Humangeographie der 1980er und 1990er Jahre untersucht die Arbeit, inwieweit und mit welchen Konsequenzen sich zwei zentrale, forschungsleitende Begriffe der Humangeographie – „Raum“ und „Region“ – gewandelt haben. Im Gegensatz zu früheren „raumexorzistischen“ Bestrebungen geht die Untersuchung jedoch von dem Standpunkt aus, dass „Raum“ eine alltags- wie wissenschaftsweltlich erfolgreiche Formel zur Kennzeichnung so unterschiedlicher Dinge wie materieller Handlungsbedingungen, sozialer Sachverhalte und Identifikationen ist und ihre Reflexion daher nicht mit der Dekonstruktion des „Raumes“ als quasi ontologisch vorgegebenen Gegenstand abgeschnitten und beendet werden kann. Argumentativ setzt die Studie daher bei der unaufhebbaren Vielfalt theoretisch-paradigmatischer Orientierungen an.

Die aus dieser Diskussion gewonnenen Ergebnisse werden in einem zweiten Teil auf den Regionsbegriff ausgeweitet. Für diesen ist im Ergebnis ein doppelter Konstruktcharakter als wissenschaftliche und als alltagsweltliche Kategorie zu beobachten, der unter anderem dazu beiträgt, dass „Region“ immer wieder als Container gedacht werden, innerhalb dessen soziale Beziehungen konstituiert sind und innerhalb dessen Handlungen ablaufen.

Aus der Analyse werden abschließend Schlussfolgerungen abgeleitet, die sich auf das Verhältnis von Raumsemantik und funktionaler gesellschaftlicher Integration beziehen: Vor allem die Ergebnisse konstruktivistischer Ansätze weisen eindeutig darauf, die „Räume und Regionen der Sprache“ (Raum in der Kommunikation) und räumlicher Schematisierungen zu untersuchen und kommunikations- und diskursanalytische Ansätze einzusetzen, um die gesellschaftliche Funktionalität raumbezogener bzw. regionsbezogener Semantiken herausarbeiten zu können (Thematisierung von Prozessen der gesellschaftlichen Etablierung, Vergegenständlichung (Reifizierung) und Naturalisierung räumlicher Konstrukte für politische und sonstige Zwecke).

 


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